Geschichte

Meilensteine der Geschichte der Körnerschule

29. September 1889: Gründung als Privatschule von Linzer Bürgern mit Unterstützung der Stadt Linz. Ihnen ist es ein Anliegen, dass auch Mädchen die Möglichkeit bekommen, eine höhere Schule zu besuchen. Es ist das dritte Lyzeum im Bereich des heutigen Österreich und erhält 1894 das Öffentlichkeitsrecht. Die Schulform ist zunächst ein 6-jähriges Mädchenlyzeum.  Dieses ist im Haus Museumstraße 13/Prunerstraße 18 untergebracht. Das Haus sieht außen übrigens heute noch fast gleich aus. Bei einem Gang durch die Museumstraße werden Sie es leicht finden.

Bild: erstes Schulgebäude
Bild: Das Logo des Mädchenlyzeums findet sich heute noch an verschiedenen Stellen, z.B. auf den Türschildern

1902/03: Am Ende des Schuljahres findet die erste Reifeprüfung im Sitzungssaal des Museums statt, mit damals noch bescheidenen sieben Schülerinnen.

1910: Gründung des Lyzealvereins, dessen Hauptaufgabe es ist, einen Neubau zustande zu bringen. Der Linzer Stadtarchitekt Julius Schulte wird mit dem Bau eines eigenen, dreistöckigen Schulgebäudes an der Ecke Körnerstraße / Eisenhandstraße beauftragt, da enormer Platzmangel herrscht.

Bild: Planungsskizze von Julius Schulte

23. September 1911: Eröffnung des neuen Schulgebäudes. Der Bau enthält viele Elemente des Jugendstils und gilt als eines der bedeutsamsten Werke dieser Stilepoche in Linz. Julius Schulte war ein herausragender oberösterreichischen Architekt jener Zeit. Linz und Oberösterreich verdanken ihm Schulen (Weberschule, Raimundschule, Hauptschule Ebensee), Industriebauten, Wohnhäuser (Ferihumerstraße) oder die alte Bestattungshalle im Urnenhain Urfahr.

Bild: Die neu erbaute Körnerschule 1911

1912: Zusätzlich zum Lyzeum wird ein 8-jähriges Reformrealgymnasium gegründet, das den Absolventinnen die Gleichstellung mit den männlichen Absolventen der Gymnasien bringt.

1917: Die erste Reifeprüfung nach den Prüfungsvorschriften für Reformrealgymnasien findet statt. Damals wurden noch 8 Jahre Latein und 6 Jahre Griechisch unterrichtet.
1919: Elternverein wird gegründet und unterstützt die Schule zeitweise finanziell.

1920: Aufgrund finanzieller Probleme des Lyzealvereins entschließt sich die Stadt Linz, die Trägerschaft für die Schule zu übernehmen, und sichert so den Weiterbestand. Der Lyzealverein wird aufgelöst.

1921: Auf Anregung des damaligen Direktors Pillewizer wird der Lyzealzweig in eine 8-jährige Frauenoberschule umgewandelt. Im Unterschied zum Gymnasium hat diese weniger Sprachunterricht, dafür mehr Kochen, Haushalt, Kinderpflege und ein Praktikum im Kindergarten.
Diesen Zweig gibt es bis 1968. Durch die Schulreform von 1962 wird daraus das wirtschaftskundliche Realgymnasium (zunächst nur für Mädchen).

1938: Der NS-Staat übernimmt die Körnerschule als „Staatliche Oberschule für Mädchen“. Ab 1940 werden auch die Mädchen der aufgelösten Kreuzschwesternschule in der Körnerschule unterrichtet. Diese zweite Schule im Gebäude führt die Bezeichnung „Eisenhandschule“, da das Grundstück der Körnerschule ja bis zur Eisenhandstraße reicht. Der Unterricht der einen Schule findet am Vormittag, jener der anderen am Nachmittag statt.

Dezember 1944: Der Unterricht wird aufgrund von Erntediensten, Einberufungen der Lehrer und Bombenalarmen schließlich ganz eingestellt.

Herbst 1945: Wiedereröffnung der Schule mit zwei Schulformen: Realgymnasium für Mädchen und Frauenoberschule. Es treten jedoch erhebliche Probleme aufgrund von Kinderlähmung, verlängerten Winterferien wegen eklatanten Kohlemangels, finanziellen Engpässen und baulichen Schäden durch den Krieg (es gibt keine einzige ganze Fensterscheibe mehr) auf.

1962: Aufgrund der Schulreform wird die Schule als Neusprachliches Gymnasium und als Wirtschaftskundliches Realgymnasium weitergeführt.

1985: Die Koedukation setzt sich auch in der Körnerschule durch, die ersten Buben werden aufgenommen.

1985 – 88: Nach den Plänen des Architekten Dipl.-Ing. Weismann wird ein Zubau errichtet, bei dem jedoch mehr auf kubische und geometrische Formen gesetzt wird. Den Altbau restauriert man grundlegend, unter Wahrung der Jugendstilelemente. Der Unterricht findet während der Umbauzeit in der ehemaligen Ursulinenschule, dem heutigen OK – Kulturzentrum, statt.

Bild: Planungsskizze für den Zubau sowie die neuen Turnsäle

1997: Die ersten drei männlichen Maturanten absolvieren die Reifeprüfung an der Körnerschule.
ab 1999: Für die ersten und zweiten Klassen werden Schwerpunkte gebildet: Klasse Lebendige Sprache, Chorklasse und die Projektklasse.

ab 2002: Für die Oberstufe des Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums werden schulautonom die beiden Schwerpunkte Wirtschaft sowie Gesundheit und Ernährung entwickelt. Für Latein und Französisch im Gymnasium wird schulautonom ein ganz eigenes Modell entwickelt, das ab 2013 wegen der Zentralmatura vom Bundesministerium nicht mehr genehmigt wird und daher beendet werden muss.

2011: Das Jubiläum „100 Jahre Jugend-Stil“ wird mit der Ausstellung „zeitband“, einem Vortrag von DI Romana Ring über „100 Jahre Haus der Körnerschule“ und einer Schulfeier in Anwesenheit von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, Vizebürgermeisterin Dr. Christiana Dolezal und des Amtsführenden Präsidenten Fritz Enzenhofer begangen.

2015/16: Beginn der Nachmittagsbetreuung an unserer Schule, die inzwischen zu einem festen Bestandteil unseres Angebotes geworden ist.

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Dieser Überblick über die Geschichte der Schule wurde anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Jugend-Stil“ im Jahr 2011 von einer Wahlpflichtgruppe Informatik unter Prof. Dr. Elena Zanzani und Dir. Mag. Johann Waser erstellt und 2017 ergänzt.

Quellen: Friederike Benedukt: Geschichte unserer Schule. In: 100. Jahresbericht 1988/89, hrsg. von der Direktion des BG und WRG Linz, Körnerstraße 9, Linz 1989, S. 18-97
Weismann, Erich: Entwurfs- und Gestaltungskonzept – Generalsanierung und Erweiterung Körnerschule. In: 100. Jahresbericht 1988/89, hrsg. von der Direktion des BG und WRG Linz, Körnerstraße 9, Linz 1989, S. 107-109
Arndt, H. und Theer, P.: Julius Schulte und seine Schüler. Mit 303 Abbildungen. Linz 1933