Stanislaw Załewski, ein Überlebender der Lager Gusen und Mauthausen als Zeitzeuge im Körnergymnasium

Donnerstag, 26. September 2019 - 8:40

Interview mit Herrn Zalewski mit Herrn MMag. Peter Pohn in der Wochenendausgabe der „Oberösterreichischen Nachrichten“ 12./13. Oktober 2019

Am 26. September 2019 besuchte Herr Stanislaw Załewski aus Warschau, der während des Zweiten Weltkriegs von November 1943 bis Mai 1945 Häftling in den Lagern Mauthausen, Gusen I und Gusen II war, das Körnergymnasium. Stanislaw Załewski ist Vorsitzender des Hauptvorstandes des Polnischen Verbandes ehemaliger politischer Häftlinge der NS-Gefängnisse und Konzentrationslager und wurde anlässlich des 80. Jahrestages des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs von der Polnischen Botschaft in Wien nach Österreich eingeladen.

Herr Załewski, der am 1. Oktober, wenige Tage nach seinem Besuch in Linz, seinen 94. Geburtstag hatte, sprach zu den Schülerinnen und Schülern der 5. Klassen, die kaum älter waren als er selbst bei Kriegsbeginn. Er erzählte von seiner Tätigkeit im Widerstand in den frühen Kriegsjahren, von seiner Verhaftung und der Inhaftierung im Gefängnis Pawiak, seiner Deportation nach sowie seiner Zeit in Auschwitz-Birkenau und von seiner Zeit in den Lagern Gusen I und Gusen II, die ihm als „Vorraum der Hölle“ und als „Abgrund der Hölle“ in Erinnerung sind. Die Schülerinnen und Schüler stellten Herrn Załewski Fragen über seine Überlebensstrategien, die Befreiung der Lager und die ersten Nachkriegstage in Linz.

Stanislaw Załewski beendete seine Ausführungen mit den Worten: „Es gibt einen Spruch unter ehemaligen Häftlingen, der sagt: ‚Wir leben so lange, solange die Menschen leben, die sich an uns erinnern.‘“ Diesen Spruch hat er auch seinem Erinnerungsband als Motto vorangestellt, der im nächsten Jahr anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung der Lager in Gusen und Mauthausen erstmals auf Deutsch veröffentlicht werden soll.

Obwohl Herr Załewski auf Polnisch sprach und seine Ausführungen oft erst nach mehreren Minuten Rededauer von Dolmetscher Nikolaus Dissauer übersetzt wurden, folgten die Schülerinnen und Schüler gebannt seinen Ausführungen und bedankten sich mit langem Applaus. Der abschließende Appell des Gastes aus Warschau lautete: „Ich möchte, dass jeder von euch als Beweis, dass euer Klatschen aufrichtig war, bis zum Jahresende hin für einen nahen Menschen eine gute Tat vollbringt. – Und denkt daran, wenn man einmal lächelt, lebt man fünf Minuten länger.“

Dr. Franz Hocheneder

Oben: Hr. Stanislaw Załewski

Vorne: Stanislaw Załewski, Erste Botschaftssekretärin Mag. Katarzyna Wiśniewska-Rosik, Honorarkonsul Professor Christian Hofer
Dahinter: Schulleiterin Mag. Wilbirg Binder, Dolmetscher Nikolaus Dissauer, Dr. Franz Hocheneder, Mag. Heinz Reitmayr

Fotos: MMag. Peter Pohn

Dr. Franz Hocheneder, Lehrer für Deutsch und Englisch, nahm im Juli 2019 an einer Studienreise nach Polen teil und traf dort bei einer Veranstaltung in Warschau erstmals Herrn Stanislaw Załewski. Diese Reise war von der Polnischen Botschaft in Wien organisiert und ausgerichtet worden, die auch den Besuch von Herrn Załewski am Körnergymnasium ermöglichte.

Bei seinem Aufenthalt an unserer Schule gab Herr Stanislaw Załewski MMag. Peter Pohn, Lehrer für Deutsch und Geschichte sowie Zeitungs- und Rundfunkjournalist, ein Interview, das am 12./13. Oktober 2019 in der Wochenendausgabe der „Oberösterreichischen Nachrichten“ veröffentlicht wurde und das hier in voller Länge wiedergegeben ist.